Donnerstag, 19. Juli 2012

Carole Bailey im wegmarken.talk


To me fulfillment is making a difference in people’s lives. - Carole Bailey


Carole Bailey ist Autorin, Lehrerin, Visionärin und eine britische Lady, wie sie im Buche steht. Der erste Teil ihrer Fantasy-Buchreiche „Royal Stones of Sorcery“ wurde von Kritikern beschrieben als eine Mischung aus „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“ und hat bereits zigtausende Fans aus aller Welt. Von ihrem steinigen Lebensweg erzählt die ehemalige Schlossherrin im wegmarken.talk:

 

Carole Bailey


In Salzburg ist Carole vor allem als quirlige Englischlehrerin bekannt. Sie unterrichtet Hochschüler, Geschäftsleute, Englischlehrer, aber auch Arbeitslose. „Ich glaube, dass ich gerade in diesen Kursen wirklich etwas bewirken kann und finde die Arbeit sehr bereichernd. Die Menschen in diesen Kursen waren lange arbeitslos, sind oft demoralisiert und haben die Freude am Leben verloren. Diesen Leuten kann ich wirklich helfen – nicht nur im Englischunterricht. Wir reden und lachen viel zusammen, haben Spaß und arbeiten an einem gemeinsamen Ziel. Das gibt Mut und Sinn. Ich bin die Lehrerin für Tipps und Tricks in Englisch, aber auch für Tipps und Tricks im Leben. Persönliche Entwicklung und der Umgang mit Pessimismus und Depression waren immer meine Herzensthemen, darum spielen sie auch in meinen Büchern eine große Rolle.“

Ihren Wunsch Menschen zu helfen lebt sie auch in ihren Büchern. Erste Adressaten waren die eigenen Kinder. „Mit der Arbeit an ‚Royal Stones of Sorcery‘ habe ich schon 1988 angefangen und es hat viele Jahre gedauert, diese komplexe, magische, aber auf realen Dingen beruhende Welt zu erschaffen.“ Vorbild für die Hauptpersonen waren ihre vier Kinder. „1988 waren sie noch sehr klein und so habe ich ihren jeweiligen Charakter quasi in die Zukunft projiziert. Ich wollte in den Büchern Fragen beantworten, auf die meine Kinder im Zuge ihres Erwachsenwerdens stoßen würden, angefangen von romantischen Begebenheiten bis hin zu Themen der persönlichen Entwicklung. Ich bin sehr gut darin Fragen zu stellen und nach möglichen Antworten zu suchen. Natürlich waren die Bücher aber nicht nur für meine Kinder gedacht, sondern für ein breiteres Publikum.“ 

„Als ich klein war habe ich es gehasst zu schreiben, aber ich war immer gut darin, Geschichten zu erzählen. Erst als wir in unser Schloss gezogen sind, hat mich, wie man so schön sagt, die Muse geküsst. Es war einfach ein magischer Ort, dieses 800 Jahre alte Schloss. Dort und in der umliegenden Gegend im Westen von Wales spielen die Bücher auch. Die magische Sprache, die in den Büchern gesprochen wird, ist Walisisch. Vielleicht funktionieren die Bücher auch deswegen so gut. Man kann an den Schauplätzen spazieren gehen und die Sprache tatsächlich sprechen.“ 


Die walisische Küste (Quelle: commons.wikimedia.org)

I had cancer three times and survived it three times, I think that gave me a much more positive outlook on life. - Carole Bailey


Nach Österreich verschlagen hat es die Autorin nach einer sehr unglücklichen Scheidung, mit bitteren Konsequenzen für die gemeinsamen Kinder. „Mein Mann war ein sehr gutaussehender Navy-Captain, der nur zweimal im Jahr nach Hause kam. Wir waren eine sehr bekannte Familie und wohnten in einem Schloss, darum spielte sich alles stark in der Öffentlichkeit ab. Mit Anfang 30 erkrankte ich an Krebs und als es mit mir bergab ging, fing mein Mann an, sich nach einer neuen Frau umzusehen und tat dies im breitesten Licht der Öffentlichkeit. Seine Wahl fiel dabei auf meine beste Freundin. Die Kinder waren am Boden zerstört. Doch die neue Frau bekam kalte Füße und mein Mann wollte in sein altes Leben zurück. Ich willigte ein und wir erneuerten unsere Treueschwüre. Ich in meinem Brautkleid, er in Shorts und Flip Flops. Da hätte ich wissen sollen, dass er es nicht ernst meinte.

Als der Krebs dann zurückkam, lief er wieder davon und ging auf See. Mit der Krankheit, den Kindern, dem Schloss und einem Job, den ich nicht machen konnte ließ er mich allein. Als ich wieder gesund war kam er heim und ich veranstaltete eine Dinnerparty für alle Freunde, die mir in der schweren Zeit geholfen hatten. Auf dieser Dinnerparty war auch unser neuer Zahnarzt mit seiner Frau. Plötzlich gab es nur mehr zwei Leute im Raum: meinen Mann und Linda, die Zahnarztgattin. Sie trug ein rotes Kleid und er spielte immer und immer wieder „Lady in Red“. Alle Leute schauten mich an, weil sie genau wussten, was im Jahr zuvor passiert war. Es war übelkeitserregend. 

Wenig später fuhr ich mit den Kindern nach Österreich auf Urlaub. Mein Mann blieb zu Hause, bei Linda. Als ich überraschend in Zell am See einen Job angeboten bekam, flog ich heim und verlangte die Scheidung. Mein Mann war schockiert. Ich stellte die Kinder vor die Wahl: Möchtet ihr in Österreich leben? Euer Vater hat eine neue Frau. Meine Tochter fragte: ‚Ist es Linda?’ Ja, warum? ‘Ich hab sie beim Knutschen erwischt!’ Sie hatten die Entscheidung quasi schon selbst getroffen. 

Buch 1: Children of Sorcery (Quelle: royal-stones-of-sorcery.com)


Unglücklicherweise ging die Firma, in der ich arbeitete, bald in Konkurs. Da war ich also, in einem Land, dessen Sprache ich nicht konnte, ohne Job, ohne Geld, ohne Wohnung und mit vier Kindern, für die der Vater keinen Unterhalt bezahlen wollte.

Das war die härteste Zeit. Wir wohnten in einer Berghütte, weil wir uns keine andere Wohnung leisten konnten. Ich habe tonnenweise englische Scones gebacken, weil sie billiger waren als eine Packung Semmeln – die kosteten damals 17,90 Schilling. Ich wollte damals nur noch heim, aber die Kinder hatten entschieden zu bleiben. Ich begann Englisch zu unterrichten, fand meine Nische als Native-Englischlehrerin und Lehrerausbildnerin. Aber das möchte ich eigentlich nicht auch noch machen, wenn ich 75 bin. Bis dahin habe ich größeres im Sinn.

Mein größtes Ziel ist die Errichtung eines Mentor-Centers. Ein Zentrum für Leute, die sich über die Probleme der Welt Gedanken machen und gleichzeitig etwas dagegen unternehmen wollen, interdisziplinär und unabhängig. Ich habe eine Zeit lang für ein Forschungszentrum gearbeitet, vor allem was Krebsforschung und erneuerbare Energien angeht. Das war in den 70er und 80er Jahren. Damals haben nur Phantasten von Windenergie und Solarzellen geredet. Heute ist das ganz anders. Wir haben da einige Ideen zum Thema Energiegewinnung ausgearbeitet und sind mit diesen in die Forschungsabteilung der Lancaster University gegangen um zu fragen, ob sie funktionieren würden, oder nicht. Der Physikprofessor dort hat gesagt 'Wow, daran hat noch keiner gedacht!'. Man braucht für solche Sachen einfach die richtigen Leute und muss sie zusammenbringen. Genau das möchte ich mit meinem Mentor-Center machen, ich möchte dort als Ideenkatalysator fungieren. Und da kommt auch mein Buch ins Spiel. Es soll einerseits lehrreich sein, andererseits aber auch so viel Geld bringen, dass ich irgendwann mein Mentor-Center finanzieren kann".

Royal Stones of Sorcery - Children of Sorcery war auf der Shortlist für den Tir na n-Og Award und ist via Amazon für Kindle und in gedruckter Version erhältlich. Eine deutsche Ausgabe erscheint in Kürze.


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