Montag, 27. August 2012

Susanne Schinagl im wegmarken.talk



Vor zwei Jahren machte Susanne Schinagl Schluss. Als eingesessene Geschäftsführerin des Salzburger Zentrums für Generationen und Barrierefreiheit hatte sie das Gefühl, nicht weiterzukommen. Heute lebt die Managerin, Mediatorin und Autorin ihre Leidenschaft für Cupcakes als Inhaberin des Café Diva. Wie sie dazu kam, erzählt die „Oberdiva“ im wegmarken.talk:

Susanne Schinagl in ihrem Café Diva

Ich bin ein Mensch, der Abwechslung braucht und keinen Stillstand mag.
Ich habe mir immer meinen eigenen Weg gesucht hat und darum immer alles um mich herum aufgebaut. Böse gesagt bin ich kein einfacher Mensch und füge mich schwer in ein bestehendes System ein. Darum muss ich etwas schaffen, das sich um mich herumfügt.

Viel Arbeit und wenig Anerkennung
Ich habe viele Jahre im Sozial- und Barrierefreiheitsbereich gearbeitet und war es irgendwie leid, von Subventionen abhängig zu sein und zu bitten und zu betteln in einem Bereich, wo Bitten und Betteln eigentlich nicht nötig sein dürfte. Ich hatte bis zu 12 Mitarbeiter, die immer gefragt haben „Wie schaut’s aus? Gibt’s uns nächstes Monat noch?“ und ich konnte nie mit Sicherheit sagen, ob es weitergeht. Für mich war sehr markant, dass man gerade im Sozialbereich sehr viel arbeitet und sehr wenig Anerkennung bekommt. Man ist im Non-Profit-Bereich im Dienst einer wichtigen Sache und irgendwann spießt sich das und man arbeitet sich auf. Und drum habe ich gesagt, ich will jetzt etwas machen, das körperlich natürlich 1000 Mal anstrengender ist,  aber am  Abends sehe ich meinen Tagesumsatz und sehe, was ich morgen anders mache und muss niemanden anbetteln.

Man muss es einfach ausprobieren.
Ich habe in meinem ganzen Berufsleben sehr viel mit alten Menschen gearbeitet und oft erlebt,  wie viele von Ihnen diese „hätt ich dochs“ mit sich herumschleppen. Am zufriedensten sind die, die gesagt haben, ich habe einfach alles ausprobiert, was ich probieren wollte, manches davon ist schief gegangen, aber ich hab es zumindest probiert. Das ist für mich ganz wichtig, mit 80 nicht zu sagen: „Hätt ich das damals doch probiert, als die Gelegenheit noch gewesen wäre“. Ich habe eigentlich schon mein ganzes Leben lang gesagt, wenn ich einmal etwas anderes mache, dann eröffne ich ein Kaffeehaus. Und das hab ich auch getan. Man muss es einfach tun, sonst wird man wahrscheinlich immer mit sich hadern. Weil schief gehen, auf die Nase fallen, das ist nicht das Tragischste, was es gibt. Man kann ja wieder weitermachen.


Es hat immer Momente des Zweifels gegeben.
Die Gastronomie ist eine total neue Branche für mich und ich bin oft an meine Grenzen gestoßen, keine Frage. Aber man lernt und wächst mit den Anforderungen. Wenn man jeden Tag aufsperren muss – weil einfach zu lassen kann man nicht – dann lernt man sehr schnell. Und irgendwann, wenn man nach langen Arbeitstagen ohne Pause, ohne freie Tage, todmüde daheim ankommt, dann fragt man sich, ob das auch wirklich der richtige Schritt war. Aber, wenn man dann wieder merkt, dass der Gast zufrieden ist und alles gut läuft, dann macht es auch wieder total Spaß. Verfluchen tu ich es manchmal schon. Ich würde es trotzdem nicht anders machen.

Die Motivation ist, Spaß zu haben.
Ich hab immer mit Menschen gearbeitet, das ist im Café eigentlich nichts Anderes, sowohl das Team braucht diese Art Zuwendung, als auch die Gäste. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum die Gäste so gern da sind. Weil sie spüren, dass hier Leben drinsteckt.

Auch negative Erlebnisse haben etwas Positives an sich
Auch die Negativsten Sachen in meinem Leben haben immer etwas Positives an sich gehabt. Man darf den Rückblick darauf nur nicht zu kurzfristig machen, man darf nicht eine Woche nachher schauen, man muss ein Jahr nachher schauen und oftmals dreht sich das Negative dann ins Positive.


Erfüllung ist Arbeit 
Wenn man am Abend todmüde, aber zufrieden mit sich selbst ist, das ist Erfüllung. Erfüllung ist sicher Arbeit für mich, weil ohne Arbeit bin ich ganz unleidlich. Erfüllung finde ich aber auch in der Partnerschaft und meiner Familie. Die Stabilität, die ich dort krieg, ist ganz wichtig. Wenn das alles passt und ich für mich sagen kann, was hab ich schon für Probleme, man jammert auf einem so hohen Niveau, das ist dann Erfüllung für mich.




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