Donnerstag, 2. April 2015

Neue Horizonte – Reisen im Lebenslauf



Gerade von einer Weltreise zurückgekommen, hat sich vor Kurzem eine junge Frau mit der Frage an uns gewandt, wie sie denn nun ihren Weg ins Berufsleben finden könne. „Was soll ich jetzt mit dieser großen Lücke im Lebenslauf machen?“, wollte sie wissen.
Neue Wege gehen bereichert auch den Lebenslauf. Foto: Shutterstock
 
Reisen heißt, neue Horizonte zu entdecken, es heißt, Distanz zum bisherigen Weg zu gewinnen und sich neu zu orientieren. Reisen heißt lernen und es heißt organisieren. Egal, ob mit dem Rucksack durch Vietnam, Freiwilligenarbeit auf einer Farm in Argentinien oder ein Sprachaufenthalt in einer WG in Paris: wer es wagt, sein gewohntes Umfeld für eine gewisse Zeit zu verlassen, gewinnt dabei. Und dieser Gewinn kann im Lebenslauf durchaus erwähnt werden. 

Auf ihrer Reise durch Asien, Australien und Amerika hat die junge Frau unendlich viele Erfahrungen gemacht. Sie hat ihr Englisch verbessert, weil sie im ständigen Austausch mit anderen Reisenden war, sie hat ein wenig spanisch gelernt, weil weder sie noch die anderen Reisenden in Südamerika mit Englisch weit gekommen wären, sie hat gelernt, sich zu organisieren, günstige Unterkünfte zu finden, immer rechtzeitig zu ihre gebuchten Flügen und Bussen zu kommen, ihr Reisebudget sinnvoll zu rationieren,  sich zu vernetzen und schnell zu den richtigen Informationen zu finden. Nicht zuletzt hat sie gelernt, mit sich zu sein – mit ihren Gefühlen und Gedanken und fern von Freunden und Familie, die sie bisher immer aufgefangen hatten. Sie ist offener geworden und hat gelernt, wie unterschiedliche Menschen unterschiedliche Entscheidungen treffen und es nicht nur gut oder böse, schön oder hässlich, klug oder dumm gibt. 

Hätte sie sich nach ihrem Studium direkt auf Jobsuche begeben, hätte sie diese Dinge nicht gelernt, andere – vielleicht sogar weniger. Zumal sie dann einen großen unerfüllten Traum mit sich getragen hätte, der ihr so nicht mehr im (Berufs-)Weg steht. Und genauso kann sie das auch ihrem zukünftigen Arbeitgeber erklären. 

Somancher stellt im Sand unter Palmen fest, dass er nicht fürs Büro gemacht ist. Foto: Shutterstock

Für diejenigen, die im Zuge ihrer Reisen feststellen, dass ein konventioneller Bürojob beispielsweise für sie nicht mehr in Frage kommen wird (für viele wirkt der bisherige Alltag leer oder langweilig, wenn sie aus der Distanz darauf zurücksehen), sprechen wir diese Empfehlung natürlich nicht aus. Niemand sollte sich zu etwas zwingen, nur weil man denkt, es würde von einem erwartet. Die nächste Möglichkeit herauszufinden, wie man seine persönlichen Stärken bestmöglich einsetzen kann, bietet sich bestimmt. Denn auch was Beschäftigung, Karriere und Arbeitswelt betrifft, stimmen die Worte Franz Kafkas: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“

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