Montag, 6. September 2010

wegmarken.talk: Elmar Landerer "Für mich gibt es nichts anderes als Musik"


August 2010 - Festpielzeit in Salzburg und was liegt da näher, als mit einem Mitglied der Wiener Philharmoniker den ersten wegmarken.talk zu führen. wegmarken sprach mit dem Bratschisten Elmar Landauer darüber, warum man als Kind ein Instrument erlernt statt auf Bäume zu klettern und daß es für einen Musiker eigentlich nur eines gibt: Musik.

Elmar Landerer via

Short.cut
Elmar  Landerer, geb. 1974, ist seit 1996 Bratschist der Wiener Philharmoniker und des Wiener Staatsopernorchesters sowie Mitglied bei den Wiener Virtuosen. Er studierte bei Vladislav Markovic und Michael Schnitzler auf der Violine sowie bei Peter Ochsenhofer auf der Viola und wurde 1990 jüngstes Mitglied des Gustav-Mahler-Jugend-Orchesters.

Landerers wegmarken

Zur Musik bin ich durch meine Eltern gekommen.
Die Entscheidung für die Musik und vor allem für die Klassik fällt sehr früh und eigentlich sind es die Eltern, die maßgeblich dafür sind. Denn es gibt kein Kind, das mit sechs Jahren sagt, es will lieber vier Stunden an einem Instrument üben anstatt auf Bäume zu klettern oder Fußball zu spielen. Die Familie und das Umfeld sind sehr wichtig, damit man zur Musik kommt. Es gibt natürlich auch Instrumente, die man später erlernen kann wie die Oboe, aber Streichinstrumente erlernt man bereits mit circa sechs Jahren und erst so mit fünfzehn Jahren steuert man diese Entwicklung selbst.

Sich mit anderen messen, hilft bei der Entscheidung.
Ich bin der erste Profimusiker in meiner Familie und die Entscheidung fiel eigentlich, als ich mit fünfzehn Jahren in das Gustav-Mahler-Jugend-Orchester aufgenommen wurde, wo man dann mit Größen wie Claudio Abbado spielen kann. Erst durch den Vergleich mit anderen kann man sehen, wie gut man ist. Für mich war es sehr wichtig nach Wien zu gehen, das Umfeld zu wechseln und selber zu sehen, ob man das als Beruf überhaupt machen kann und möchte. Das Probespiel bei diesem Jugendorchester war bei mir der Punkt, an dem ich zum ersten Mal gewußt habe, das will ich machen. Die Erfahrung, in einem großen Konzertsaal zu spielen, mit anderen Künstlern, die auch die Musik lieben, das hat eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Man übt für diesen einen Moment.
Ich hatte meine Übungsphase so mit neunzehn Jahren, aber das ist individuell. Manche machen das früher manche später, aber irgendwann braucht man diese extreme Übungsphase. Ich habe zwei Jahre nur geübt und dem mein ganzes Leben angepaßt. Das heißt: man steht um sieben Uhr auf, übt fünf Stunden, ißt zu Mittag, legt sich eine Stunde hin und übt dann wieder vier Stunden. Dieser Ehrgeiz war bei mir plötzlich da, denn entweder man will Profimusiker werden oder nicht, diese Entscheidung muss man irgendwann treffen. Beim Vorspiel entscheidet die Jury  in fünf Minuten und in diesen fünf Minuten musst du alles zeigen, was du kannst. Man übt für diesen einen Moment. Als ich dann bei den Wiener Philharmonikern genommen wurde, war das ein unglaubliches Erlebnis, das ich in diesem Moment gar nicht fassen konnte. Das kommt dann erst später, dass man erkennt, was man da erreicht hat. Ein sensationell schönes  Erlebnis.

Musik ist mein Leben.
Musik ist zwar natürlich Arbeit, aber ich lebe meinen Traumberuf. Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch. Ich war zwar mit 21 Jahren noch sehr jung, als ich ins Orchester gekommen bin und habe nicht viel andere Berufe gekannt. Ich war davor Sängerknabe, in der Musikschule und dann im Jugendorchester. Als Musiker muss man sich selbst gut organsisieren und Kontakte knüpfen, das heißt ich könnte vielleicht auch im Musikmanagement  tätig werden, aber sonst kann ich mir keine Branche vorstellen. Die Frage ist auch, ob sich der Kopf jemals umstellt auf einen anderen Job, denn man ist als Musiker schon einseitig begabt. Ich fühle mich in der Musik zuhause. Natürlich weiß man nicht, ob man dieses hohe Niveau immer halten kann, ob man es auch rein körperlich schafft, bis 65 Jahre zu spielen, aber das ist sicher mein Ziel.

Mein Beruf ist immer anders.
Das Schönste in meinem Beruf ist es Musik machen. Auch, wenn die Belastung sehr hoch ist, da wir viele Plätze - auch international – bespielen, was ja auch gut ist. Es gibt keinen wirklichen Alltag, jede Woche ist anders, einmal ist man den ganzen Tag unterwegs und dann spielt man wieder nur drei bis vier Mal am Abend. Dann hat man plötzlich Zeit für die Familie und das ist purer Luxus. Es gibt da kaum ein Mittelmaß, entweder viel oder wenig Arbeit. Was mich motiviert, ist die Herausforderung. Man muss immer dran bleiben, damit es weiter Spaß macht. Denn teilweise sind Musikstücke Lebensaufgaben, die man immer wieder spielen muß. Das ist mein Antrieb.

Profi-Musiker sein, heißt lebenslanges Lernen…
Privat- und Berufsleben zu trennen, ist besonders am Anfang schwierig - wenn es einem privat gut geht, ist auch die Musik harmonisch. Hat man Stress, werden die Trompeten plötzlich doppelt so laut. Mit den Jahren fällt es leichter das zu bewältigen. Die ersten fünf Jahre sind sicher sehr anstrengend, dann kommt die Routine und der Zeitpunkt wo man sich einfach wohlfühlt. Natürlich passieren Fehler, aber das gehört dazu, Menschen machen Fehler. Als Musiker hat man viele Vorbilder und das ist wichtig. Man muss immer schauen, wie machen es die anderen und man muss sich das Gute heraus saugen. Man muss neugierig bleiben und immer dazu lernen wollen. Das Lernen bleibt einem in der Musik ein Leben lang. Deshalb ist der Repertoirebetrieb wichtig für mich. Wenn man in einer Woche drei bis vier Opern spielt, dann ist man immer gefordert und es wird nicht langweilig. Spielt man ein Stück dreissig Mal hintereinander, ist das auch nicht förderlich für die Musik.

Mehr als Musik…
Mein Wunsch für die Zukunft? Ich möchte auch viel Zeit für meine Familie und meine kleine Tochter haben. Da verschieben sich dann irgendwann die Prioritäten und das ist gut so, obwohl das Feuer natürlich bleibt. Man entscheidet sich so früh und ich habe mir nie die Frage gestellt, was wäre, wenn es nicht geklappt hätte.

Meine Philosophie:
Man muss Herausforderungen suchen und daran wachsen.

Ich bin:
Musiker mit Leib und Seele.

Im Berufsleben sollte man:
Erkennen, daß es auch andere Prioritäten gibt, wie zum Beispiel die Familie.


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